| Veranstaltung: | BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf Bezirkswahlprogramm 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 2. Kapitel 1 des Bezirkswahlprogramms (Klima, Umwelt, Tierschutz, Stadtentwicklung, Mobilität) |
| Antragsteller*in: | Schreibgruppe Wahlprogramm (dort beschlossen am: 31.01.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Antragshistorie: | Version 38 |
A2: Charlottenburg-Wilmersdorf gestaltet Zukunft
Antragstext
Kapitel 1
Charlottenburg-Wilmersdorf
gestaltet Zukunft
Für ein ökologisches, soziales , klimaresilientes und mobiles Charlottenburg-
Wilmersdorf
– planen und bauen für Mensch und Natur –
Gemeinsam machen wir Charlottenburg-Wilmersdorf ökologischer, nachhaltiger und
mobiler. Wir werden den Bezirk angesichts des Klimawandels lebenswert gestalten.
Mit tausenden neuen Bäumen und mehr Grünflächen schützen wir das Klima und
spenden Schatten an heißen Sommertagen. Wir werden mit mehr Entsiegelung und
kluger Regenwasserbewirtschaftung unseren Bezirk zur Schwammstadt umbauen. Wir
wollen den Bezirk kühlen – trotz steigender Hitze.
Klima · Umwelt · Tiere
Klimaneutral und lebenswert
Die Klimakrise ist Realität und längst auch in Charlottenburg-Wilmersdorf
spürbar. Hitze, Trockenperioden und Starkregen belasten unseren Bezirk schon
heute. Wir werden unseren Bezirk so umbauen, dass er widerstandsfähig wird –
sozial, ökologisch und gerecht. Unser Ziel ist klar: Unser Bezirk muss
klimaneutral werden. Dafür nutzen wir konsequent alle Handlungsspielräume, die
uns als Bezirk zur Verfügung stehen, und verbinden Klimaschutz,
Umweltgerechtigkeit und gute Stadtentwicklung mit einer wirtschaftlichen
Umsetzung. Nur wenn alle vier Bereiche zusammen gedacht werden, können wir
unsere natürlichen Lebensgrundlagen erhalten und unseren Bezirk fit für die
Zukunft machen.
Unsere wichtigsten Forderungen im Überblick
- Konsequenter Klimavorbehalt für alle bezirklichen Entscheidungen
- Klimaanpassung durch Begrünung, Entsiegelung und Regenwassermanagement
- Schutz und Ausbau von Grün- und Naturflächen im ganzen Bezirk
- Mehr Biodiversität durch ökologische Pflege und begrünte Fassaden
- Renaturierte Ufer, klimaresilienter Grunewald und Sicherung von
Frischluftschneisen
- Tierschutz stärken und Lebensräume schützen
- Ressourcen schonen durch Kreislaufwirtschaft, Mehrweg und Müllvermeidung
- Ausbau der Initiative „Fairtrade-Town Charlottenburg-Wilmersdorf“
Klimaneutralität erreichen – der Bezirk übernimmt Verantwortung
Wir werden dafür sorgen, dass Charlottenburg-Wilmersdorf klimaneutral wird und
seinen Beitrag zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels leistet. Dafür sind klare CO₂-
Reduktionen in allen zentralen Bereichen notwendig: beim Stromverbrauch, im
Verkehr, in der Wärmeversorgung, beim Bauen und bei den Materialien, die wir im
Bezirk verwenden. Klimaneutralität gelingt nur, wenn alle diese Sektoren
gemeinsam vorangebracht werden.
Alle bezirklichen Entscheidungen unterwerfen wir deshalb einem verbindlichen
Klimavorbehalt. Öffentliche Gebäude werden systematisch energetisch saniert, und
ihre Dächer nutzen wir für Solarenergie und Begrünung. Diese können in
öffentlichen Schulen genutzt werden, um zu veranschaulichen, wie
Klimaneutralität funktionieren kann.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem massiven Ausbau erneuerbarer Energien. Um
Photovoltaik, Solarthermie, Geothermie und andere klimaneutrale Technologien
schneller umzusetzen, setzen wir auf Entbürokratisierung – insbesondere durch
abgestimmte Prozesse und gemeinsame Standards mit anderen Berliner Bezirken.
Gemeinsam vereinfachen wir Verfahren, beschleunigen Genehmigungen und sorgen
dafür, dass Projekte nicht an bezirklichen Zuständigkeitsgrenzen hängen bleiben.
Auch bei der Wärmeversorgung gehen wir neue Wege: durch Abwärmenutzung,
energieeffiziente Kühlung und den Aufbau (kalter) Nahwärmenetze machen wir uns
Schritt für Schritt unabhängig von fossilen Energien. Der Fuhrpark des Bezirks
wird vollständig elektrifiziert.
Ein weiterer zentraler Bereich ist die Materialwahl. Wir werden den Einsatz
klimaverträglicher, fossilfreier Baustoffe deutlich ausbauen und dafür gezielt
Pilotprojekte anstoßen, die neue Materialien erproben und zeigen, wie
nachhaltiges Bauen im Bezirk gelingen kann. So übernehmen wir Verantwortung und
setzen Maßstäbe für eine klimaneutrale und zukunftsfähige Verwaltung.
Klimaanpassung schaffen – mehr Grün, mehr Schatten, mehr Widerstandskraft
Der Klimawandel trifft unseren Bezirk bereits heute spürbar. Sommer mit über 35
Grad, tropische Nächte und Starkregenereignisse zeigen, dass Charlottenburg-
Wilmersdorf sich an ein verändertes Klima anpassen muss. Wir wollen, dass unser
Bezirk auch in 20 Jahren ein lebenswerter Ort bleibt – für ältere Menschen, für
Kinder, für Familien – für alle, die hier leben. Deshalb setzen wir
Klimaanpassung als zentrales Leitmotiv der bezirklichen Stadtentwicklung.
Das „Bezirkliche Anpassungskonzept an die Folgen des Klimawandels“ (BAFOK) soll
in allen Klimanpassungsmaßnahmen zentral eingebunden werden. Wir streben eine
Fortentwicklung des BAFOKs an.
Öffentliche Räume gestalten wir so, dass sie kühlend wirken: Durch mehr
schattenspendende große Bäume, Sträucher, Hecken, Fassadenbegrünungen,
Sonnensegel über Spiel- und Sportplätzen und wassergebundene Oberflächen werden
grüne Erfrischungszonen, Parks und Aufenthaltsorte geschaffen, die auch an
heißen Tagen gut nutzbar sind.
Unser Ziel ist es, den Schutz vor Hitze für alle Bürger*innen durch
verpflichtende Hitzeschutzaktionspläne mit gestaffeltem Warnsystem zu
gewährleisten. Dazu gehört die Bereitstellung kühler öffentlicher Räume im
Sommer mit einem barrierefreien Zugang, beispielsweise in Bibliotheken,
Begegnungszentren und Kirchen.
In den Hitzeschutz-Aktionsplänen werden Maßnahmen aus verschiedenen Bereichen,
wie zum Beispiel Gesundheit, Stadtentwicklung und Grünflächen gebündelt, so dass
vor allem im Zusammenwirken aller verantwortlichen Stellen die Bürger*innen
ausreichend geschützt werden können.
Wir setzten uns dafür ein, dass folgende Maßnahmen zum Gesundheitsschutz der
Bürger*innen umgesetzt werden: Trinkbrunnen, Wasserspender auch für Haus- und
Wildtiere, schattige Plätze sowie Grünflächen und Parks in der Nähe.
Trinkbrunnen werden barrierefrei gestaltet, so dass sie auch für
Rollstuhlfahrer*innen und Kinder zugänglich sind. Wir haben das Ziel, die Anzahl
der Trinkbrunnen im Bezirk deutlich auzuweiten und werden Konzepte entwickeln,
nicht benutztes Wasser zur Bewässerung des Stadtgrüns einzusetzen. Bei baulichen
Maßnahmen finden sich Auflagen zum Hitzeschutz wie Markisen, Ventilatoren,
Fassadenbegrünung, grüne Innenhöfe, Entsieglung.
Plätze und Straßen werden schrittweise entsiegelt, sodass sie Wasser aufnehmen
können und das Mikroklima verbessern. Regenwasser soll möglichst vollständig im
Kiez bleiben, statt in die Kanalisation zu fließen. Dafür schaffen wir
Versickerungsflächen wie Mulden, Rigolen und Grüne Gullys sowie innovative
Speichermöglichkeiten für extreme Niederschläge.
Besondere Priorität haben Schulhöfe, Spielplätze und Orte, an denen sich viele
Kinder und Jugendliche aufhalten. Wir entwickeln sie zu klimaangepassten Lern-
und Bewegungsräumen mit naturnahen Flächen, großen Bäumen, Schatteninseln und
Regenwasserelementen. Dieser Umbau erfolgt gemeinsam mit Eltern, Kindern,
Lehrkräften und Initiativen – denn Klimaanpassung gelingt am besten, wenn sie
getragen wird von der Gemeinschaft vor Ort.
Auch Verkehrsflächen können zu Klimaorten werden. Durch Entsiegelung, bauliche
Verschmälerung und Begrünung schaffen wir kühlende Straßenräume, die sichere
Wege bieten und gleichzeitig Wasser managen. Die Begrünung der Mittelstreifen
von Straßen, von Plätzen und Höfen dient der Verbesserung des Mikroklimas in der
Nachbarschaft. So entsteht ein Bezirk, der auf die Klimakrise vorbereitet ist
und aktiv Lebensqualität schafft.
Gesundes Leben im Einklang mit der Natur
Eine gesunde Umwelt ist Grundlage eines guten Lebens. Sie schützt vor
Extermwetter, verbessert die Luftqualität, fördert unser Wohlbefinden und
unterstützt ein intaktes Ökosystem. Deshalb müssen wir Natur und
Gesundheitsvorsorge stärker zusammendenken und den Bezirk so entwickeln, dass
Mensch und Natur gleichermaßen profitieren.
Wir setzen auf naturnahe Pflegekonzepte, die Artenvielfalt fördern, Lebensräume
sichern und ökologische Vielfalt sichtbar machen. Die bezirkseigene
Pflanzenproduktion wird auf torffreie und regionale Pflanzen umgestellt – damit
Biodiversität nicht nur erhalten, sondern aktiv gestärkt wird. Öffentliche
Grünflächen sollen wassersparend bewässert werden, möglichst durch
Tröpfchenbewässerung, und mosaikartig gepflegt werden: Repräsentative Flächen
bleiben gepflegt, naturnahe Bereiche werden bewusst wild gelassen, damit
Insekten und Vögel Rückzugsorte finden.
Friedhöfe bauen wir zu ökologisch wertvollen Lebensräumen aus, indem wir
Biodiversitätsflächen schaffen, heimische Pflanzen einsetzen und tierschonende
Pflegekonzepte anwenden. Gleichzeitig unterstützen wir die Begrünung von
Fassaden, Höfen und Dächern – in Kooperation mit Anwohner*innen und
Eigentümer*innen sowie lokalen Initiativen. Damit entsteht ein Netz
klimawirksamer Mikrohabitate über den ganzen Bezirk.
Gesundheit bedeutet auch, vor Luftverschmutzung und Lärm geschützt zu sein.
Deshalb setzen wir uns für emissionsarme Mobilität, bessere
Baustellenkontrollen, weniger Schadstoffbelastungen und Maßnahmen gegen
Lichtverschmutzung und Verkehrslärm ein. Ein gesunder Bezirk ist ein Bezirk, der
atmet – und das werden wir sichern.
Naturschutz im Bestand – Grünräume sichern, Klima und Tiere besser schützen
Unsere Naturflächen sind die grünen Lungen des Bezirks und gleichzeitig
unverzichtbare Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Sie kühlen die Stadt,
speichern Wasser, wirken der Versiegelung entgegen und bieten Erholung für alle
Menschen. Deshalb werden wir Naturschutz im Bestand deutlich stärken und
konsequent weiterentwickeln.
Wir setzen auf den Schutz und die Erweiterung des Baumbestands im Bezirk – so
wie im Berliner Klimaanpassungsgesetz geregelt. Jeder gefällte Baum soll künftig
durch 3 neue ersetzt, eine gute Pflege sichergestellt und möglichst durch das
Schwammstadtprinzip mit Regenwasser versorgt werden. Dazu werden wir derzeit
leere Baumscheiben wieder auffüllen und dort, wo es geht, neue Bäume pflanzen
und neue Baumscheiben durch Entsiegelung schaffen. Klar ist: Der Bezirk kann das
nur mit der entsprechenden finanziellen Unterstützung des Senats umsetzen. Für
die auskömmliche Finanzierung werden wir uns einsetzen.
Grünflächen werden durch aktualisierte Landschaftspläne weiterentwickelt, die
klare Kriterien für Biovolumen, klimaresiliente Bepflanzung und
Regenwassernutzung enthalten. So stellen wir sicher, dass Natur und Klima
künftig integraler Bestandteil jeder Planung sind.
Besonders wertvoll sind Uferbereiche, Feuchtflächen und Gewässer. Wir setzen uns
für eine Renaturierung der Spreeufer ein, schaffen naturnahe Übergänge und
verbessern mit Fischtreppen die ökologische Durchgängigkeit. Im Grunewald
unterstützen wir den Umbau zum klimaangepassten Mischwald, der Hitze,
Trockenheit und Schädlingen besser standhält. Frischluftschneisen – etwa am
Westkreuz – werden dauerhaft gesichert, weil sie für das städtische Mikroklima
unverzichtbar sind.
Der Tierschutz ist dabei ein wichtiger Bestandteil unserer Umweltpolitik. Der
Bezirk versteht Tierschutz als grundlegende Verantwortung gegenüber allen
Lebewesen und der Umwelt. Er bekennt sich zu einem respektvollen Umgang mit
Haustieren, dem Schutz und Erhalt von Wildtieren sowie zu einer nachhaltigen,
tierfreundlichen Lebensweise. Tiere werden als fühlende Wesen anerkannt, ihre
Lebensräume geschützt, und das Wohl von Haus-, Wild- und Nutztieren wird als
Pflichtaufgabe verstanden. Tierschutz ist eng mit Bildung, Ernährung und
Umweltbewusstsein verknüpft.
Um diesem Verständnis gerecht zu werden, werden im Bezirk vielfältige konkrete
Maßnahmen umgesetzt. Wir stärken Lebensräume für Wildtiere, reduzieren
Lichtverschmutzung, fördern tierschonende Mäh- und Pflegezeiten und schaffen
Biodiversitätsflächen, die Rückzugsorte bieten. Besonders gefährdete Arten
erhalten gezielte Unterstützung durch Schutzmaßnahmen, Monitoring und
Kooperationen mit Naturschutz- und Tierschutzorganisationen.
Bepflanzungsaktionen für Insekten und Vögel werden durchgeführt, um Lebensräume
und Nahrungsquellen in der Stadt zu sichern. Schulen, Nachbarschaften und Parks
werden bei der Einrichtung von Insektenhotels unterstützt, wobei
gemeinschaftliche Aktionen zum Insektenschutz durchgeführt werden. Wir werden in
Zusammenarbeit mit Tierheimen und Umweltverbänden Sammelstellen für verletzte
Wildtiere und Fundtiere einrichten, um schnelle Hilfe und artgerechte Versorgung
zu gewährleisten.
Ein Schwerpunkt wird auf die Förderung gesunder und tierfreundlicher Ernährung
gelegt. Außerdem wird sich der Bezirk für eine Weiterentwicklung des
Tierschutzes einsetzen – z.B. durch tierfreundliche Bauvorgaben.
So wird der Bezirk dauerhaft die Würde, den Schutz und das Wohlergehen aller
Tiere sichern und Tierschutz fest in der kommunalen Verantwortung verankern.
Ressourcen schonen – konsequente Kreislaufwirtschaft für unseren Bezirk
Eine nachhaltige Zukunft beginnt mit dem bewussten Umgang mit Ressourcen. Unser
Ziel ist es, Charlottenburg-Wilmersdorf zu einem Vorreiter der kommunalen
Kreislaufwirtschaft zu machen. Durch Reparatur, Wiederverwendung, Second-Hand,
Recycling und Upcycling schonen wir Ressourcen und Geldbeutel, vermeiden Abfall
und erhalten Materialien und Gegenstände möglichst lange im Kreislauf.
Kreislaufwirtschaft ist für uns kein Nischenthema, sondern ein zentraler
Baustein auf dem Weg zu einer klimaneutralen und sozial gerechten Zukunft.
Abfall wollen wir bereits an der Quelle vermeiden. Dafür setzen wir auf den
Ausbau von Mehrwegangeboten, die Förderung verpackungsarmer und Unverpackt-Läden
sowie eine klare Strategie gegen Einwegplastik. Unverpackt-Läden und Mehrweg-
Systeme sollen gezielt gestärkt werden. Auch in der Gastronomie und im Außer-
Haus-Verkauf unterstützen wir den Einsatz klimaneutraler, in kurzer Zeit
bioabbaubarer und umweltfreundlicher Verpackungslösungen sowie den Verkauf
unverpackter Produkte. Erleichterte Sondernutzungserlaubnisse im öffentlichen
Raum werden wir an ökologische Kriterien knüpfen. Die Einhaltung der
Mehrwegpflicht wird dabei vom Ordnungsamt verstärkt kontrolliert.
Produkte sollen länger genutzt und repariert werden, statt früh entsorgt zu
werden. Deshalb unterstützen wir Reparatur-, Re-Use- und Upcycling-Initiativen
im Bezirk gezielt. Lokale Reparaturbetriebe, Reparaturcafés und das Projekt
„Netzwerk Qualitätsreparatur“ werden wir stärken. Repair-Cafés sollen aus ihrem
Nischendasein herausgeholt werden und ihr Potenzial für einen bewussteren,
ressourcenschonenden Konsum entfalten. Nachbarschafts- und Stadtteilzentren
sollen dabei zu Ankerpunkten nachhaltigen Wirtschaftens werden. Wir setzen uns
außerdem dafür ein, dass das erfolgreiche Förderprogramm „ReparaturBONUS“ vom
Berliner Senat fortgeführt, ausreichend finanziert und weiter ausgebaut wird.
Die Initiative „Re-Use Berlin“ werden wir stärken, unter anderem durch
Unterstützung bei der Gewinnung zusätzlicher Partner*innen.
Schon jetzt setzen wir uns dafür ein, dass Abfall möglichst schnell beseitigt
wird. Gerade im öffentlichen Raum gibt es hier viel zu tun. Dafür wollen wir die
Kooperation mit der BSR intensivieren, insbesondere für regelmäßige
Kiezsperrmülltage. Die bereits vorhandenen Mehrwegangebote des Bezirks bewerben
wir aktiv bei den Bürgerinitiativen, Vereinen und Unternehmen im Bezirk, sodass
sie Wirkung zeigen. Wir starten Kampagnen, etwa an den Schulen, um das
Bewusstsein für die Problematik von Müll für Mensch und Natur zu schärfen und
aufzuzeigen, wie Müll sich vermeiden und recyclen lässt.
Wertstoffe sollen systematisch erfasst und besser im Kreislauf gehalten werden.
Elektronik, Holz, Textilien, Metalle und andere Materialien wollen wir
konsequenter getrennt sammeln und recyceln. Gleichzeitig bauen wir die
Eigenkompostierung aus und nutzen organische Abfälle stärker vor Ort, um
Transportwege und Emissionen zu reduzieren.
Die Verwaltung übernimmt dabei eine klare Vorbildfunktion. Beschaffung,
Veranstaltungen und Dienstleistungen stellen wir konsequent auf nachhaltige,
klimaverträgliche und faire Standards um. Bei Veranstaltungen des Bezirks setzen
wir verstärkt auf Mehrweg- und Pfandsysteme aus klimaneutralen und möglichst
bioabbaubaren Materialien. Über die öffentliche Vergabe werden wir zudem die
Verwendung ökologischer, regionaler und möglichst unverpackter Lebensmittel in
Mensen, Schulen, Kitas und Einrichtungen für Senior*innen stärker einfordern.
Begleitend fördern wir Bildungsangebote sowie Kooperationen mit Schulen,
Initiativen und Unternehmen, um das Bewusstsein für kreislaufgerechtes
Wirtschaften und einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu stärken. Die
Stabstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung werden wir erhalten und die
Initiative „Fairtrade-Town Charlottenburg-Wilmersdorf“ entwickeln wir weiter,
damit der Bezirk ökologisch und sozial nachhaltig handelt.
Stadtentwicklung
Planung gemeinwohlorientiert, klimaschonend, ökologisch und feministisch
– für eine klimaresiliente Umgestaltung unseres Bezirks –
Die städtebaulichen Planungen unseres Bezirks richten wir stringent an sozialen
und ökologischen Kriterien aus – für Klimaschutz und Klimaresilienz, für
lebenswerte Kieze.
Außerdem fördern wir eine feministische Stadtplanung, in der der städtische Raum
so gestaltet wird, dass er die Bedürfnisse aller Menschen – unter besonderer
Berücksichtigung von Frauen und LINTA*-Personen (Lesben, Inter-, nicht-binäre
und agender Personen) sowie Menschen mit Behinderungen und anderen
marginalisierten Gruppen. Dabei stehen vor allem die Sicherheit und die
Barrierefreiheit im öffentlichen Raum im Mittelpunkt. Wege zum und vom
Arbeitsplatz und private Wege dürfen keine Angsträume sein. Jede Person soll
sich frei im Bezirk bewegen können, überall und zu jeder Tages- oder Nachtzeit.
Die Stadtplanung muss dieses Ziel stets mitberücksichtigen.
In der Bauleitplanung werden wir die gesetzlichen Möglichkeiten für die
wirtschaftliche Stabilität sowie die soziale und gemeinwohlorientierte
Weiterentwicklung Charlottenburg-Wilmersdorfs ausschöpfen und Umwelt- wie
Klimaschutz fest verankern. Bei allen städtebaulichen Maßnahmen muss die CO₂-
Reduktion konsequent mitgedacht und ein wesentlicher Aspekt der Planung sein.
Zugleich schützen und stärken wir die Natur unseres Bezirks vor Eingriffen und
Beeinträchtigungen. Sie leistet nachweislich einen zentralen Beitrag für
Gesundheit, Wohlbefinden und Klimaschutz.
Die Natur ist bei der Bewertung von Planungsvarianten maßgeblich zu
berücksichtigen. Im grün geführten Umweltamt wurde erstmalig im Bezirk eine
Methode zur Bewertung der Öko-Leistung der Natur in Euro entwickelt, die
insbesondere bei Infrastrukturprojekten grundsätzlich Anwendung finden und in
der Bauleitplanung fest verankert werdensoll.
Neubau wie Umbau müssen von Beginn an nachhaltig, sozial, bedarfsorientiert,
ressourcenschonend und klimagerecht geplant werden. Angesichts des hohen
Leerstands bei Büroflächen wollen wir den Umbau von leerstehenden Bürogebäuden
in bezahlbare Wohnungen vorantreiben. Aufgrund der rechtlichen Situation sehen
wir keine Möglichkeit, neues Baurecht für Bürokomplexe und Bürohochhäuser zu
schaffen. Mit dem verstärkten Fokus auf dem Umbau im Sinne der Bauwende lassen
sich die klimaschädlichen Emissionen im Gebäudebereich unseres Bezirks wirksam
senken. Denn Klimaschutz ist Menschenschutz.
Eine wachsende Stadt braucht eine mitwachsende Infrastruktur. Die erforderliche
Flächenvorsorge für bauliche, soziale und grüne Infrastruktur ist systematisch
in die Stadt- und Bauleitplanung zu integrieren. Unsere bewährten integrierten
Planungskonzepte verfolgen wir weiter – unter Berücksichtigung von
Klimabelangen, kiezgerechter Mobilität und sozialen Aspekten, wie bereits in der
Wilmersdorfer Straße und am Karl-August-Platz.
Unsere wichtigsten Forderungen im Überblick
- Erhalt statt Abriss
- Begrünung und Entsiegelung
- Schwammstadt
- Wärmewende
- lebenswerte Kieze
- Beteiligung der Bürger*innen und Digitalisierung der Planung
Charlottenburg-Wilmersdorf klimaresilient (um)bauen - von Begrünung bis
Wärmewende
Abriss gilt es zu vermeiden, stattdessen sollen bestehende Gebäude und
Materialien weitergenutzt werden.
Den Abriss von Gebäuden lehnen wir ab. Stattdessen setzen wir auf die
nachhaltige Umgestaltung und Wiederbelebung bestehender Gebäude. Wir haben uns
bspw. dafür eingesetzt, dass auf dem ehemaligen Reemtsma-Gelände in Wilmersdorf
das größte Gründach in Deutschland entstehen und das Karstadt-Gebäude in der
Wilmersdorfer Straße erhalten und umgebaut werden soll.
Über Bauleitplanung, städtebauliche Verträge und Leitlinien – auch für kleinere
Bauvorhaben – verfolgen wir ein klares Konzept für nachhaltige Entwicklung zum
Schutz von Natur und Klima:
- Entsiegelung von Flächen
- umfangreiche Neubegrünung mit natürlichen Versickerungs- und
Verdunstungsflächen
- intelligentes Regenwassermanagement, inklusive unterirdischer
Regenrückhaltebecken und Versickerungsanlagen im öffentlichen Straßenraum
oder angrenzenden Parks (z. B. vom Fehrbelliner Platz zum Preußenpark)
- Einsatz wiederverwendbarer, nachwachsender und naturverträglicher
Materialien wie Holz, Lehm oder Hanf
Naturschutzrechtliche Ausgleichsmittel setzen wir konsequent für Entsiegelungs-
und Ausgleichsprojekte im Bezirk ein, etwa bei Maßnahmen auf der südlichen
Mierendorffinsel oder zur Aufwertung von Natur- und Naherholungsflächen im
Rahmen des Spreeraumkonzepts.
Wir bauen breite und überdimensionierte Straßen zurück, die aus der alten Zeit
der autozentrierten Stadt stammen. Auf den so gewonnenen Flächen werden wir
preiswerte Wohnungen, Grün- und Spielflächen schaffen. Eine Umgestaltung des
Hohenzollerndamms könnte beispielsweise Raum für rund 140 neue Wohnungen
schaffen, Regenwassermanagement ermöglichen und den Kiez ökologisch aufwerten.
Auch die ehemalige Autobahntrasse südlich der Konstanzer Straße bietet Potenzial
für nachhaltige Stadtentwicklung.
Grün- und Freiflächen schützen wir konsequent vor Bebauung. Dach- und
Fassadenbegrünung, gemeinschaftliches Gärtnern sowie die Öffnung privat
genutzter Freiflächen fördern wir. Nachbarschaften, Vereine und
Bürgerinitiativen unterstützen wir bei ihrem Engagement für die Parks und
Grünflächen im Bezirk. Sie leisten einen wertvollen Beitrag für unsere Kieze und
die Natur. Das Modellprojekt zur Entsiegelung von sechs Schulhöfen führen wir
fort. Auch die Sportanlage Wilmersdorf und der Adenauerplatz werden
klimaresilient umgestaltet.
Fördermittel von Land, Bund und EU setzen wir gezielt für die klimaschützende
Entwicklung unseres Bezirks ein. Die ökologische Aufwertung unserer Straßen und
Kieze steht im Zentrum unserer Stadtplanung.
Die Wärmewende treiben wir voran durch:
- weiteren Ausbau von Solarenergie
- Nutzung von Abwasserwärme
- Geothermie
- dezentrale Blockkonzepte und gemeinschaftliche Energieverbünde (z. B. im
Eichkamp)
- Förderung von Niedrigenergienetzen
Windenergie befürworten wir ausdrücklich – jedoch nicht im Grunewald, sondern
auf naturfernen Flächen wie geeigneten Gewerbegebieten.
Unsere Kieze: lebenswert und vielfältig – Nahversorgung, Natur und Kultur für
alle
Unsere Nachbarschaften sind divers, solidarisch und lebendig. Diesen
Zusammenhalt wollen wir schützen und stärken.
Die Berliner Mischung aus Wohnhäusern, kleinen Geschäften und Handwerk, Kitas,
Schulen, Parks, großen und kleinen Kultureinrichtungen macht unsere Kieze so
lebenswert und bildet den Kern für unser Leitbild der 15-Minuten-Stadt.
Den spekulativen Leerstand von Läden und Büros wollen wir verhindern und
Betriebe vor überteuerten Mieten schützen. Gewerbemietverträge mit kurzen
Laufzeiten und hohen Mieten führen zu Verdrängung und Leerstand, hemmen
Investitionen und gefährden die Vitalität unserer Kieze. Deshalb nutzen wir
Instandhaltungsgebote, führen einen Gewerbemietspiegel ein und erweitern den
Mietenschutz für Wirtschafts- und Kulturbetriebe. Ein Leerstandsanzeiger für
Gewerbeflächen soll Kleingewerbe, Handel und Handwerk im Bezirk halten. Ein
kooperatives Geschäftsstraßenmanagement stärkt Standorte wie die Wilmersdorfer
Straße langfristig.
Grünflächen, Parks, Wege und Plätze sichern wir als Orte der Erholung und
Begegnung. Der öffentliche Raum ist das Wohnzimmer der Gesellschaft. Wir werden
ihn barrierefrei, vielfältig und hochwertig gestalten – mit mehr
Sitzgelegenheiten, Liegewiesen, Spiel- und Sportangeboten, Skateparks,
Spazierwegen sowie Räumen für Kunst und Clubkultur.
Planungen: partizipativ und digital
Die kooperative Baulandentwicklung über städtebauliche Verträge führen wir fort.
Bürger*innen werden frühzeitig und verbindlich beteiligt – über
Nachbarschaftsbeteiligung, Bürger*innenräte, Kiezkioske und den bezirklichen
Raum für Beteiligung.
Mit der Bereichsentwicklungsplanung für den Bereich der City-West ist ein Anfang
gemacht worden für eine abgestimmte Planung der Entwicklung im Stadtteil, die
wir fortsetzen wollen.
Mit den Kiez-Kiosken wurden temporäre Treffpunkte für Bürgerbeteiligung
eingerichtet, die vorbildlich informieren und Anregungen der Einwohner*innen
unterstützen. Mit dem Raum für Beteiligung wurden Konzepte und Formate
geschaffen, um Planungen vorzustellen, die Ämter zu beraten und die Beteiligung
der Anwohner*innen zu fördern. Gut gelungen ist dieses zum Beispiel bei den
Kiezkonzepten am Leon-Jessel-Platz oder auch bei der nördlichen Verlängerung der
Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße. Diese Formate wollen wir fortsetzen und auf
andere Kieze übertragen.
Auch bei Baum- und Grünpflege ermöglichen wir unbürokratische Beteiligung, etwa
durch Baumpatenschaften, das Pflanzrecht auf Baumscheiben gemäß Berliner
Klimaanpassungsgesetz und bei der Pflege von Parks.
Planungs- und Genehmigungsprozesse digitalisieren wir konsequent auf Basis des
Geoportals des Bezirks und mit digitalen Zwillingen. So werden Verfahren
effizienter und transparenter. Unsere Daten und Prozesse machen wir öffentlich
zugänglich. Durch weitere digitale Beteiligungsformate ähnlich der Plattform
meinBerlin.de erweitern wir die Möglichkeiten für Öffentlichkeitsbeteiligung.
Bei Baumaßnahmen, die die Anwohner*innen betreffen oder beeinträchtigen, wollen
wir die Transparenz ebenfalls erhöhen und über digitale Formate Informationen zu
der Maßnahme, ihrer Dauer und den Auswirkungen im Kiez zur Verfügung stellen.
Mobilität
Der Mensch im Mittelpunkt – nachhaltige Mobilität
Wir denken die Mobilität vom Menschen aus und werden Charlottenburg Wilmersdorf
zu einem Bezirk machen, in dem Kinder sicher zur Schule gehen, Eltern beruhigt
und sicher zur Arbeit und nach Hause kommen. Wir werden einen Bezirk schaffen,
in dem ältere Menschen und Menschen mit Behinderung barrierefrei unterwegs sind
und alle Bewohner*innen die Straße als Ort des Miteinanders erleben – ohne
Kampf, sondern mit Respekt vor- und füreinander. Nur so haben alle die gleichen
Chancen, sich frei und sicher im Verkehr zu bewegen.
Unsere wichtigsten Punkte im Überblick
- Großbauprojekte nachhaltig steuern
- ÖPNV-Anbindung verbessern
- Kiezkonzepte umsetzen und neue erarbeiten
- Wirtschaftsverkehr nachhaltig und leise gestalten
- Verbesserung der Schulwegsicherheit
- Kantstraße, Kaiser-Friedrich-Straße, Spandauer Damm und Berliner Straße
für sicheren Radverkehr gestalten
Die barrierefreie Mobilität aller Bürgerinnen, die flächengerechte Verteilung
des öffentlichen Raums und eine Verkehrsplanung zur Entlastung der Anwohnerinnen
werten das Leben in unserem Bezirk spürbar auf und tragen zu Klimaschutz und
Klimaresilienz der Kieze bei. Der bezirkliche Bereichsentwicklungsplan und der
Berliner Masterplan für Breitscheidplatz und Zoologischer Garten bieten uns eine
gute Grundlage für eine aufwertende Neuplanung einiger Verkehrshotspots. Das
städtebauliche Entwicklungskonzept des Senats werden wir im Bezirk begleiten und
unter anderem für eine nachhaltige und dem Bezirk förderliche Neugestaltung des
„Stadteingang West“ Sorge tragen. Andererseits werden wir den bezirklichen
Einfluss auf Planungen des Senats dort geltend machen, wo unsere Nachbarschaften
und Anwohner*innen unmittelbar betroffen sind. Der steigenden Belastung und
Beschädigungen von Kiez-Straßen infolge von unvollständig geplanten
Verkehrsprojekten des Senats stellen wir uns entschieden entgegen. Unsere
bezirklichen Straßen dürfen nicht ohne Regulierung zu Ausweichstraßen großer
Verkehrsströme werden. Für uns gilt zudem auf allen Straßen: Sicherheit vor
Tempo.
Nicht auf unseren Schultern – Großbauprojekte im Bezirk
Wir werden die negativen Auswirkungen von Großbauprojekten im Bezirk auf die
Kieze und Verkehrsteilnehmer*innen mindern. Während der Baumaßnahmen an der
Stadtautobahn, vom Dreieck Funkturm über die Ringbahnbrücken an der A100 bis zur
Rudolf-Wissel-Brücke planen wir eine verträgliche Umleitung der Verkehre.
Schwerlastverkehr wird nicht durch die Stadt geführt, sondern LKW werden über
den Berliner Autobahnring umgeleitet. Schwerlastverkehr in Wohnstraßen wie der
Königin-Elisabeth-Straße führt zu erheblicher Lärmbelastung für die
Anwohner*innen. Straßen, die nicht für schwere Lasten ausgelegt sind, müssen
nach Umleitungen umfassend saniert werden. Deshalb lehnen wir Umleitungen durch
Wohn- und Nebenstraßen weiterhin konsequent ab. Temporär eingerichtete
Einbahnstraßenregelungen und Durchfahrtsverbote in den Kiezen entwickeln wir zu
dauerhaften Lösungen weiter.
Bei allen großen Infrastrukturprojekten fordern wir von Bund und Land den Erhalt
möglichst vieler Bäume oder einen angemessenen Ausgleich gemessen an den
Umweltauswirkungen. Ausgleichsmaßnahmen müssen im Bezirk stattfinden,
insbesondere bei den aktuellen Planungen auf der Mierendorffinsel.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern
- integrierte Prozesse zwischen DEGES, Autobahn GmbH, DB, BVG und S-Bahn bei
den Megaprojekten am Autobahndreieck Funkturm und an der Rudolf-Wissel-
Brücke,
- eine nachhaltige Planung der Siemensbahn ohne Zerschneidung des
Jungfernheide-Kiezes, mit barrierefreiem Übergang über die Spree zum
Schlosspark, besserer Anbindung des Bahnhofs Jungfernheide an das
Radwegenetz und Berücksichtigung der Anwohner*innen im
Planfeststellungsverfahren,
- eine Abstimmung von Aufenthalts- und Lebensqualität inklusive Grünflächen
am Breitscheidplatz und Hardenbergplatz,
- ein ökologisch tragfähiges Konzept für das ICC.
Wir setzen uns ein für
- einen Westkreuzpark mit Kleingärten und Anbindung an ÖPNV und Radwegenetz,
- die Einrichtung eines Logistik-Drehkreuzes am Stadteingang West mit
Bürgerbeteiligung und Integration ökologischer Belange,
- eine moderne Entwicklung am Spreebord der Mierendorffinsel mit mindestens
30 Prozent Wohnanteil, nachhaltigem Mobilitätskonzept und minimaler
Versiegelung.
Sicher zur Schule und wieder zurück
Die sichere, freie und selbstständige Bewegung von Kindern ist für uns ein
zentrales Anliegen. Wir werden die Schulwegsicherheit erhöhen, damit Kinder gut
mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Schule kommen können. Wir richten verstärkt
Schulstraßen vor Grundschulen im Bezirk ein. Die Straße vor der Schule wird zum
Schulanfang und Schulende zeitweise für den motorisierten Verkehr gesperrt.
Zusätzlich schaffen wir mehr Gehwegvorstreckungen und Fahrradabstellanlagen vor
Schulen, um die Übersichtlichkeit und Sicherheit zu verbessern.
Für mehr Platz zum Spielen unterstützen wir die Beantragung temporärer
Spielstraßen. Auf der Website des Bezirksamts werden das Verfahren und
Gestaltungsmöglichkeiten einfach erläutert. Diese Straßen können auch zum Üben
und Lernen des Fahrradfahrens genutzt werden.
Kieze für Menschen gestalten
Gemeinsam mit der Stadtgesellschaft und den Anwohner*innen gewinnen wir den
öffentlichen Raum für alle Menschen zurück. Durchgangsverkehr wird aus
Wohnvierteln herausgenommen und auf Hauptstraßen gelenkt. Die Straßen in den
Kiezen gehören dem Fuß- und Radverkehr sowie dem öffentlichen Nahverkehr. Die
Zufahrt bleibt für Anwohner*innen, Rettungsfahrzeuge, Lieferverkehr und
Müllabfuhr möglich. Mit der Reduzierung des Autoverkehrs erhöhen wir die
Aufenthaltsqualität und stärken das Miteinander in den Nachbarschaften.
Alle wichtigen Alltagswege sollen im Kiez innerhalb von 15 Minuten erreichbar
sein. Für die Kieze Karl-August-Platz, Klausenerplatz, RIAS-Kiez, Güntzelkiez
und rund um die Babelsberger Straße setzen wir bestehende Kiezkonzepte um und
entwickeln weitere gemeinsam mit Initiativen und Anwohner*innen. Eine Stelle für
Mobilitätsmanagement koordiniert Beteiligungsprozesse und verbessert den
Austausch zwischen Verwaltung und Öffentlichkeit.
Parkraumbewirtschaftung bauen wir aus, gestalten sie digital und fair und
schaffen zusätzliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. So erhalten
Anwohner*innen einfacher und schneller einen Parkplatz im eigenen Kiez. Die
Parkraumbewirtschaftung soll klimagerecht und sozial ausgewogen nach dem
Verursacherprinzip gestaltet werden.
Sicher von A nach B
Unsere Mobilitätspolitik orientiert sich an der Vision Zero: ein Straßenverkehr
ohne Tote und Schwerverletzte. Dafür bauen wir überdimensionierte Straßen wie
die Bundesallee oder den Kaiserdamm/Bismarckstraße zurück und schaffen breite
Radwege, mehr Grünflächen und sichere Querungsmöglichkeiten. Den Tunnel am
Bundesplatz wollen wir zurückbauen und die Brücke am Breitenbachplatz
vollständig abreißen, um neue Stadtplätze und höhere Aufenthaltsqualität zu
ermöglichen.
Wir schaffen mehr Fußgängerüberwege und verlängern Ampelphasen, insbesondere an
breiten Straßen wie der Bismarckstraße. Die Kreuzung Messedamm/Masurenallee
gestalten wir als ebenerdige Querung um. Tempo 30 auf Haupt- und Nebenstraßen
erhöht die Verkehrssicherheit. Abschleppkapazitäten werden erhöht, Mitarbeitende
des Ordnungsamts regelmäßig geschult und die Kontrolldichte durch mehr Blitzer
deutlich gesteigert. Straßen sind auch Rettungswege für Feuerwehr und
Rettungsdienst, dies wird bei Planungen fair berücksichtigt.
Verlässlich verfügbar – mit Bus und Bahn im Bezirk unterwegs
Wir verbessern die ÖPNV-Anbindung des Bezirks, insbesondere durch den Ausbau der
Straßenbahn. Die Verlängerung über die Mierendorffinsel bis zur Jungfernheide
sowie die Tram-Anbindung des Bahnhofs Zoologischer Garten unterstützen wir
ausdrücklich. Wir wollen das Tramnetz konsequent ausbauen, mittel- und
langfristig etwa so, wie im Zielnetz des Bündnis Pro Straßenbahn konzipiert, und
bereiten die möglichst zügige Verwirklichung planerisch vor.
Der Bahnhof Jungfernheide wird mit der Reaktivierung der Siemensbahn zu einem
attraktiven, sicheren ÖPNV-Knotenpunkt mit besserer Aufenthaltsqualität. Auch
der Hardenbergplatz wird zu einem modernen Umstiegsort weiterentwickelt. Für
Busse sorgen zusätzliche Busspuren, Ampelvorrang und konsequente Kontrollen für
eine dichtere Taktung und höhere Zuverlässigkeit.
Trittfest und sicher durch den Kiez – Fußverkehr stärken
Fußgänger*innen sollen sich auf allen Wegen sicher und wohlfühlen. Gehwegparken
wird reduziert, Querparken in Längsparken umgewandelt und das Abstellen von
Rollern, Motorrädern sowie E-Scootern stärker kontrolliert. Jelbi-Sharing-
Stationen bündeln Sharing-Angebote an festen Standorten.
Die Fußgängerzone in der Wilmersdorfer Straße entwickeln wir weiter und
verlängern sie. Fahrradabstellanlagen werden mit Querungshilfen und
Gehwegvorstreckungen kombiniert, um die Sicht zu verbessern und sichere
Querungen zu erleichtern.
Fahrradfahren – sicher und nachhaltig gestalten
Radfahren soll für alle attraktiv und sicher sein. Wir schaffen breite, sichere
Radwege auf Hauptstraßen und richten in Nebenstraßen verstärkt Fahrradstraßen
ein. Mit der Umsetzung des Berliner Radverkehrsnetzes verbessern wir die
Radinfrastruktur systematisch.
Im Fokus stehen unter anderem:
- östlicher Teil der Kantstraße
- Berliner Straße / Brandenburgische Straße
- Lewishamstraße / Kaiser-Friedrich-Straße
- Opernroute Süd
- Heilbronnerstraße / Gervinusstraße / Mommsenstraße
- Spandauer Damm
- Fasanenstraße
Die Güntzelstraße, Hildegardstraße, Durlacher Straße und die Campus Route
entwickeln wir zu Fahrradstraßen weiter. Radschnellverbindungen planen wir neu
und fördern touristische Radwege entlang unserer Wasserwege.
Mit zusätzlichen Fahrradabstellanlagen, Fahrradparkhäusern – etwa am Bahnhof
Charlottenburg – und dem Ausbau der Fahrradgaragen stärken wir den
umweltfreundlichen Radverkehr. Vor Jugendclubs, Bibliotheken und Sportstätten
schaffen wir mehr Abstellmöglichkeiten.
Barrierefrei durch den Bezirk
Der öffentliche Raum wird von Beginn an inklusiv und barrierefrei geplant. Wir
beschleunigen den Einbau von Aufzügen, den Umbau von Haltestellen und sorgen für
gute Beleuchtung, Sitzgelegenheiten, sichere Übergänge und barrierefreie
Zufahrten.
Wir setzen uns ein für:
- flächendeckend abgesenkte Bordsteine an Querungen
- taktile Leitsysteme für sehbehinderte Menschen
- stufenlose Zugänge in öffentlichen Einrichtungen
- barrierefreie Haltestellen
Wirtschaftsverkehr – ökologisch und verlässlich
Ein leiser, emissionsfreier Wirtschaftsverkehr entlastet Anwohner*innen und
ermöglicht umweltfreundliches Wirtschaften. Liefer- und Ladezonen werden
ausgeweitet, vereinheitlicht und mit ganztägigen Betriebszeiten ausgestattet. So
schaffen wir klare Strukturen für den Wirtschaftsverkehr und reduzieren
unnötigen Suchverkehr.
Paketsammelstationen und Micro-Depots betreiben und fördern wir weiter. Von dort
aus sollen Pakete künftig verstärkt per Lastenrad, E-Bike oder elektrischem
Lieferfahrzeug in die Kieze verteilt werden. Zusätzlich werden wir
anbieterneutrale Paketboxen in den Quartieren aufstellen, um Lieferverkehre zu
bündeln und zu reduzieren.
Die Außengastronomie stärken wir gezielt – insbesondere dort, wo Flächen vom
Gehwegparken zugunsten des öffentlichen Raums zurückgebaut werden. So verbinden
wir wirtschaftliche Nutzung mit mehr Aufenthaltsqualität und weniger
Verkehrsbelastung.
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